
In der „Euro-pro-PS-Relation“ ist der neue Chevrolet Camaro mit dickem V8 unschlagbar. Aber das Musclecar-Revival fährt auch richtig gut, selbst nach europäischen Maßstäben. Probefahrt mit Coupé und Cabrio der wiederbelebten Legende. Die Presse hat die ersten Fahrzeuge getestet.
Vor 45 Jahren war die Welt in den USA noch in Ordnung: die Wirtschaft florierte, Arbeit lohnte sich. Und der erste Camaro von Chevrolet trat an, um den Erzfeind Ford Mustang von der Überholspur zu drängen. Der Optimismus dieser Jahre ist dahin, aber den Camaro immerhin gibt es wieder, auferstanden wie der Mutterkonzern GM nach der Fastpleite. Rechtzeitig zum 100. Jubiläum dieser ur-amerikanischen Automarke und nach mehr als zehn Jahren Abstinenz geht die jüngste Generation des legendären Musclecar in der Schweiz in zwei Varianten an den Start. Zu Preisen ab 48'490.00 CHF für das Coupé und ab 54'490.00 für das Cabrio wird dieser besondere, muskelbepackte amerikanische Traum von Freiheit und Abenteuer wieder lebendig: mächtiger V8, lange Motorhaube, kurzes Heck und eine aufreizende Optik, die gar nicht erst den Versuch macht, politisch korrekt zu sein.
Understatement geht anders
Der Camaro ist nichts für Menschen, die sich gerne unauffällig im Straßenverkehr bewegen. Er sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Spielzeugauto aus der legendären „Hot Wheels"-Serie oder wie eine Hauptfigur aus dem Pixar-Animationsfilm „Cars". Aggressives Gesicht, hohe Gürtellinie, 20-Zoll-Bereifung und ein niedriges Greenhouse sowohl beim Coupé wie beim Cabrio – wobei die Rundumsicht dennoch erstaunlich gut ist.
Sein Design ist US-Muskelauto pur, aber was ihn von seinen Vorgängern unterscheidet, ist sein transatlantischer Anspruch. Mit straffem Fahrwerk und Stabilisatoren, knackiger Schaltung sowie kräftigen Bremsen beispielsweise soll der Camaro bei seinem Debüt europäischen Ansprüchen an Sportwagen genügen. Selbst der sogenannte Small-Block V8 – einst Herzstück eines jeden Muckimobils – wurde geradezu vornehm herunter gedimmt. Das Blubbern und Donnern des Achtzylinders mit über sechs Litern Hubraum entfaltet sich aber in legendärer Stärke, wenn man kurz aufs Gas tritt oder die Motorbremse nutzt.
Der Camaro macht keine Kompromisse. Massiv und bullig wie ein Preisboxer steht der 4,83 Meter lange Wagen auf der Straße, der Grill mit den kleinen Scheinwerfern schickt seinen bösen Blick in jeden Rückspiegel. In 5,2 Sekunden rennt der Ami-Bolzen von 0 auf 100 Km/h.
Als Antrieb kommt in der Europa-Version nur der 6,2 Liter große V8 und nicht der in den USA ebenfalls erhältliche Sechszylinder unter die Haube.
Chevrolet hat seinen Retro-Musclecar für Schweizer Straßenverhältnisse mit diversen Änderungen versehen. "Das Ausgangspaket hat uns nicht gefallen", berichtet Technik-Manager Patrick Herrmann von den ersten Fahrten mit dem US-Camaro auf dem Nürburgring. So wurde der an der Hinterachse etwas überdämpfte Wagen unter anderem mit neuen Stabilisatoren und Lagern, anderen Dämpfern und Reifen sowie stärkeren Bremsen versehen.
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